Zu wenig Zeit in der Beziehung

Fast allen Paaren in einer langjährigen Partnerschaft geht es irgendwann ähnlich: Sie nehmen sich zu wenig Zeit füreinander.

Am Anfang: Große Liebe, große Leidenschaft, großes Zeitbudget 

In der Anfangsphase einer Beziehung verbringen die meisten frisch verliebten Paare jede freie Minute miteinander. Aufregendes Dating, verliebte Blicke, endlose Gespräche - Zweisamkeit so oft es geht. Keine Frage, mit wem man den Feierabend und die Wochenenden verbringen möchte. Die einzige Gefahr in dieser Zeit ist es, zwischen all dem Turteln, Küssen und Flirten zu vergessen, dass es zum Überleben nicht nur Luft und Liebe, sondern auch gelegentliches Essen, Trinken und Schlafen braucht …)

Zu zweit auf Wolke 7 funktioniert meist mehrere Wochen lang wunderbar, manchmal auch über Monate hinweg – auf Dauer aber nur in den allerseltensten Fällen, denn:

 

Eines Tages meldet sich die Realität zurück: Der Alltags-Check.

Auch bei einem noch so leidenschaftlichen und romantischen Beziehungsbeginn tickern bei mindestens einem der beiden Partner irgendwann Gedanken herein wie:

  • „Waren da nicht auch mal Hobbys?“
  • „Oh – den Job gibt’s ja auch noch. Beruflich hab ich mich in letzter Zeit nicht gerade hervor getan.“
  • „Huiuiui - wie lange hab ich eigentlich meine beste Freundin schon nicht mehr getroffen?“
  • „Mist! Ich wollte doch schon vor Wochen meine Mädels und ihre Männer ansprechen wegen der Konzertkarten.“
  • „Oha! Die Einweihungsfete für Martins neue Wohnung hab ich doch glatt verpennt!“ etc.

Zu Beginn einer Beziehung (insbesondere nach u.U. langwieriger vorhergehender Partnersuche) nur noch Augen füreinander zu haben und so viel wie möglich mit dem geliebten neuen Partner teilen zu wollen, ist absolut ‚normal‘. Dass sich diese anfängliche – manchmal fast fanatische – Ausschließlichkeit aber nach und nach wieder verändert, Gefühle von Selbstverständlichkeit und Gewohnheit in die Beziehung einkehren und sich einer oder beide Partner darauf besinnen, was ihr Leben vor der neuen Partnerschaft ausgemacht hat, ist ebenso ‚normal‘.

 

Die Exklusivität der ersten Verliebtheitsphase zu verlassen, ist nicht immer einfach

Jedes Paar muss seinen eigenen Weg finden, der neuen Beziehung langfristig einen guten Platz im komplexen Lebensalltag einzuräumen. Dass jeder von beiden – jenseits der neuen Liebe – in einem vielschichtigen Gefüge aus Familie, Beruf, Interessen, Freundschaften und Verpflichtungen verhaftet ist, wird allen Verliebten früher oder später (wieder) bewusst.

Die große Herausforderung: Auf Dauer müssen sich beide Partner mit dem Ausmaß an Zweisamkeit und Eigenständigkeit wohlfühlen, wenn die Liebe von Bestand sein soll. Einen guten gemeinsamen Weg finden, Unstimmigkeiten möglichst zeitnah ansprechen, Rücksicht auf den anderen nehmen und sich dabei nicht selbst aus dem Blick verlieren – das alles ist nicht gerade einfach. Der Übergang aus der ersten Honeymoon-Phase in die „Tagtäglichkeit“ verläuft daher für viele Paare nicht ganz reibungslos.

Meist stellt sich nämlich irgendwann heraus, dass die Vorstellungen davon, wie viel (und welche Art von) Zeit beide Partner miteinander verbringen wollen und wie viele eigene Interessen und Freundschaften jeder einzelne in welcher Intensität für sich pflegen möchte, nicht ganz übereinstimmen. Manchmal weichen die jeweiligen Bedürfnisse sogar sehr deutlich voneinander ab. Das kann auf Dauer zu chronischem Stress in der Beziehung führen.

 

Auf die richtige Gewichtung kommt es an

Eine gute Beziehung ist natürlich nicht gleich vom Scheitern bedroht, nur weil SIE ab und an spontan bei einem lustigen Frauen-Abend zusagt oder ER mal später als vereinbart aus der Arbeit kommt.

Eine kurze WhatsApp mit Erklärung („Gerade erfahren, dass Laura in Deutschland ist – spontane Mädelsrunde heute Abend im Biergarten!!“ oder „Sorry, Stress! Im Büro Land unter. Geht heute nicht ohne Überstunden …"), am besten mit einem konkreten Alternativvorschlag („Dann am Freitag Kino – nur Du und ich? Sag ja!!!“) - und die Situation ist geklärt.

Gerade, wenn man mit seinem Partner zusammenlebt, ist eine gelegentliche Absage in der Regel nicht dramatisch – schließlich kann man auch in den kommenden Tagen wieder Zeit miteinander verbringen  (das sieht bei einer Fernbeziehung natürlich ganz anders aus – aber das ist ein Thema für sich).

Solange Vereinbarungen prinzipiell eingehalten werden, sich keiner vom anderen vernachlässigt fühlt und beide das Gefühl haben, weiterhin wichtig für den Partner zu sein, erleben es die meisten Paare in gewissem Umfang eher als belebend, wenn jeder von beiden über eigene Erlebnisse berichten kann und seine Kontur und Eigenständigkeit behält.

 

Wenn die Partnerschaft zu sehr in den Hintergrund rückt…

Obwohl sich die meisten Menschen im klaren darüber sind, dass dauerhaft zu wenig Zeit in der Partnerschaft zum Beziehungskiller werden kann, neigen doch viele dazu, ihrer Beziehung im Laufe der Jahre keine der obersten Prioritäten mehr einzuräumen – und das aus den verschiedensten Gründen: Die anspruchsvolle Chefin im Job, der aus dem Ruder laufende Haushalt, die beste Freundin (frisch geschieden, megaabenteuerlustig und extrem ausgehwillig…), der Taxidienst für die pubertierende Tochter, das 173. Fußballturnier des Sohnes etc.

Für viele Paare ist der Weg von „Liebesglück wie noch nie zuvor“ und „Zweisamkeit  rund um die Uhr“ zu „Vielleicht gelingt es uns ja heute Abend mal wieder, uns zumindest ein paar Minuten zu unterhalten“, erstaunlich kurz…

Solange aber beiden Partnern gleichermaßen bewusst ist, dass ein ruhiges Date zu zweit, ein Abendspaziergang oder ein kuscheliger Fernsehabend (OHNE Notebook auf dem Schoß oder Smartphone in der Hand) wieder mal gut tun würden – d.h. es beiden gelingt, ihre Liebe (trotz Stress) im Blick zu behalten - gerät die Partnerschaft noch lange nicht ins Wanken.

Fühlt sich jedoch einer oder beide Partner alleine, führt das früher oder später zu einem spürbaren Knirschen in der Partnerschaft bis hin zu heftigen Eheproblemen.

Wenn etwa einer von beiden Partnern häufige Alleingänge gar nicht als belastend empfindet (oder sogar genießt) und sich nur der andere alleine gelassen fühlt, besteht die Gefahr, dass der ‚Lonesome Tiger‘ immer häufiger Kritik zu hören bekommt. Die wiederholten Vorwürfe werden schnell als zermürbend erlebt, es kommt zu Streit, das Wir-Gefühl in der Beziehung nimmt ab. Oft fühlt sich derjenige, der viel unterwegs ist, zu Unrecht beschuldigt und unter Druck gesetzt: „Da arbeite ich wie ein Verrückter, um die finanzielle Belastung zu stemmen, stecke auf dem Heimweg eine Stunde im Verkehr, freue mich auf Dich und den Feierabend und … - werde zur Begrüßung mit Vorwürfen bombardiert?!“ Verlaufen Situationen immer wieder so oder ähnlich, kann das auch für ursprünglich noch so glückliche Partnerschaften belastend werden und die Liebe ernsthaft gefährden.

Manchmal dreht sich der Spieß aber auch um. Etwa dann, wenn Hobbys oder die intensive Pflege alter Freundschaften die Hauptgründe dafür sind, dass ein Partner nur sehr wenig Zeit für die Beziehung aufbringt und der andere daraufhin auch (wieder) verstärkt seinen eigenen Weg geht, nach dem Motto: „Was die kann, kann ich auch!“ - und in Nullkommanix werden wilde Männer-Stammtische (re)aktiviert - und beide Partner ziehen vermehrt ohne den anderen um die Häuser. Wenn dann beide in einer Negativspirale immer weniger auf die Bedürfnisse des anderen schauen, nimmt die Belastung für die Beziehung rapide zu.

 

Warum ist (regelmäßige) Zeit zu zweit in Partnerschaften so wichtig?

Mangelt es an gemeinsamer Zeit, wirkt sich das in der Regel auf alle Bereiche in der Beziehung aus. Zeit für die Liebe – mit (je nach Bedürfnislage der beiden) ungestörten Gesprächen, Intimität, Sex, Zärtlichkeit, gemeinsamen Erlebnissen und neuen Eindrücken – ist unerlässlich für eine als dauerhaft bereichernd erlebte Partnerschaft.

Es braucht ein möglichst großes Polster an positiver Gemeinsamkeit, um auch nicht ganz einfache Zeiten in der Beziehung gut bewältigen zu können.

Fehlt es an einem gemeinsamen Schatz von schönen Erlebnissen und Erinnerungen, kann ein eskalierender Konflikt viel schneller zum Beziehungskiller werden. Wird hingegen regelmäßig auf das gemeinsame „Beziehungskonto“ eingezahlt (die Währungen: liebevolle Worte und Gesten, schöne gemeinsame Aktivitäten…), ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass beide um ihre Liebe kämpfen werden, „wenn mal Sand ins (Beziehungs-) Getriebe geraten ist.“

 

5 Tipps, wie es Ihnen gelingen wird, wieder mehr Zeit miteinander zu verbringen 

1) Planen Sie eine Revival-Aktion

Schreiben Sie in Stichworten auf, was Sie als Paar zu Beginn Ihrer Beziehung besonders  gerne gemacht haben (Nachtspaziergang? Bestimmtes Lokal? Ausflug an einen verwunschenen Weiher? Gemeinsam sporteln? Krimidinner? Lieblingsdrink in der Lieblingsbar? Exzessiver Spieleabend? DVD-Marathon mit 5 Packungen Chips?).

Nehmen Sie sich eine solche „Revival-Aktion“ aus Ihren „Frisch-verliebtes-Pärchen-Zeiten“  für die kommenden Tage vor, planen Sie die konkrete Durchführung und holen Sie Ihren Partner rechtzeitig mit ins Boot (Na?! Tauchen schon ein paar schöne Erinnerungen auf? Spüren Sie hoffentlich Vorfreude aufs Wiederbeleben aufkommen…? ;-))


2) Machen Sie den anderen neugierig

Notieren Sie sich kurz, welche Eigenschaften Sie bei Ihrem Partner zu Beginn der Beziehung besonders attraktiv und liebenswert fanden. Was schätzen Sie an ihm? Haben Sie ihm eigentlich je offen erzählt, warum Sie sich damals so verliebt haben? Sind Sie sich sicher, dass er weiß, worüber Sie heute noch froh sind?

Machen Sie Ihren Partner neugierig à la: „Hab Dir was zu erzählen aus meinem Erinnerungstopf, was Dich bestimmt freut. Such Dir einen schönen Ort und ein Zeitfenster aus, wo wir etwas Ruhe haben – dann werde ich Dir berichten…“

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Sie bald ein Date miteinander haben, bei dem Sie sich mal über ganz andere Dinge unterhalten werden als über Ihre Alltags-To-Dos…


3) Setzen Sie positive Anreize (statt zu drohen)

Auch, wenn Sie total genervt sein sollten, weil Ihr Partner schon wieder so spät nach Hause gekommen ist und so wenig Zeit hat - Sätze wie „Du musst aber heute pünktlich um … Uhr zuhause sein!“ oder „Wenn Du nicht mehr Zeit mit mir verbringen willst, können wir eigentlich auch gleich Schluss machen!“ sollten tunlichst vermieden werden.

Lieber tief durchschnaufen und den Wunsch nach früherem Heimkommen oder mehr gemeinsamer Zeit positiv formulieren, wie z.B.:

Ich würde mich total freuen, wenn wir …

  • es schaffen würden, heute Abend schon gegen … Uhr zusammen zu essen. Dann hätte wir danach nämlich noch prima Zeit, um (…)
  • beide morgen schon um (…) daheim wären. Dann könnte ich Dir noch in Ruhe von … erzählen, bevor ich (…).
  • am Samstag zusammen (…). Fände es richtig schön, wenn Du mal wieder mit dabei wärst.“


4) Richten Sie Ihre Prioritäten (wieder) anders aus

Im Alltagswahnsinn zwischen Job, Haushalt, Familie etc. rücken meist zwei Arten von Verabredungen sträflich in den Hintergrund:

1) Die Verabredungen mit sich selbst (Sport machen, 2. Tasse Kaffee trinken und Zeitung lesen, zwischendurch ein paar Minuten auf dem Sofa abhängen…) und

2) exklusive Verabredungen als Paar (in Ruhe miteinander essen, einen Vormittag zusammen im Bett verbringen, zu zweit ausgehen …).

Eine Sonderschicht am Arbeitsplatz, der Anruf, dass das Kind irgendwo hingebracht / abgeholt werden will, Die-Spülmaschine/Waschmaschine-noch-schnell-anschmeißen-und-die-Küche-aufräumen etc. – all das rutscht auf der Prioritäten-To-do-Liste meist sofort nach oben und radiert ursprüngliche (zaghafte) Ideen wie „Ich könnte eigentlich mal wieder ein paar Minuten die Beine hochlegen und in einer Zeitschrift blättern“ oder „Wäre doch nett, wenn wir heute Abend mal wieder ins Kino gehen würden…“ umgehend aus.

Deshalb: Versuchen Sie ab sofort, gemeinsame Aktivitäten als Paar genauso wichtig zu nehmen wie z.B. einen beruflichen Termin. Sagen Sie Vorhaben mit Ihrem Partner nicht (mehr) leichtfertig ab und verschieben Sie geplante Verabredungen niemals ‚auf unbestimmt‘ („Das machen wir dann einfach irgendwann anders…“). Falls ein Date nicht eingehalten werden kann, sollten Sie sofort einen verbindlichen Alternativtermin vereinbaren.


5) Berichten Sie einander in einem ruhigen Moment über Ihre Wünsche und Bedürfnisse

Gehen Sie die Themen „Wir-Gefühl“ und „Rituale stärken“ als gemeinsame Herausforderung an und sprechen Sie als gleichberechtigte Partner darüber, wie Sie die aktuelle Situation und das Maß an gemeinsam verbrachter Zeit und Zeit für Beruf, Hobbys, Familie, Freunde, Haushalt etc. jeweils erleben.

Was läuft gut? Worüber freuen Sie sich? Was fanden Sie früher besonders schön? Was würden Sie gerne wieder öfters zusammen erleben? Was möchten Sie eventuell neu ausprobieren?

Wichtig: Ein solches Gespräch kann nur gelingen, wenn es in einem ruhigen und entspannten Rahmen stattfindet und nicht „zwischen Tür und Angel“ und es keiner von Ihnen beiden als Stress empfindet. Auch sollte kein akuter negativer Auslöser (und eine entsprechend schlechte Atmosphäre) die Basis für das Thema „Mehr gemeinsame Zeit“ sein.

 

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