Eltern sein & (guten) Sex haben? – Die 7 besten Tipps

Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin, Paartherapeutin, Pädagogin, Coach
Kategorie: Sexualität
Lesedauer: Minuten
Dr. Judith Gastner
Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin, Paartherapeutin, Pädagogin, Coach
Kategorie: Sexualität
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Eltern sein & (guten) Sex haben?  - Die 7 besten Tipps

Das Elternsein ist eine aufregende und herausfordernde Reise, die fast immer mit viel Logistik und wenig Zeit für Intimität und Zweisamkeit einhergeht. Doch mit einer Portion Humor und etwas Mut zum Kurswechsel kann es auch für Paare mit Baby oder kleineren Kindern im Haus (zumindest eines Tages... ;-)) wieder Erotik geben...

Hier sind sieben bewährte Tipps, durch die sich die Chancen auf ein Sexleben von jungen Eltern vergrößern... 😉

Tipp Nr. 1: Weg mit Sex-Vorurteilen!

Häufig werden Vorurteile über Sex zum Stolperstein in Beziehungen. Die Überzeugung, dass „nur spontaner Sex guter Sex“ ist, dass es für Sex immer „viel Zeit“ oder „eine romantische Atmosphäre“ braucht oder dass es „auf ein grundsätzliches Problem schließen lässt“, wenn erotische Stelldicheins seltener werden, kann verunsichern und die Liebe schwer belasten. Hielte man an solchen Vorurteilen fest, sähe es für einen Großteil aller Partnerschaften von Menschen mit kleinen Kindern seeeehr düster aus. Die Häufigkeit von Sex, der Sex selbst, die Gewichtung verschiedener Lebensbereiche, die Prioritäten in der Beziehung – all das verändert sich mit der Zeit. Aber eben nicht automatisch zum Schlechten, wie oft befürchtet wird. Veränderungen oder auch mal Flauten im Bett sind eben nicht automatisch der Anfang vom Ende, sondern... - vollkommen normal! 

In diesem Sinne:

  • Regen Sie sich nicht mehr darüber auf, dass sich die Beziehung (übrigens auch ohne Kinder!) nach mehreren Jahren oder Jahrzehnten deutlich wandelt.
  • Machen Sie einen kritischen Check, welche (hartnäckigen) Glaubenssätze und Vorurteile Ihnen das (Sex-)Leben (bzw. das Gerade-eben-mal-nicht-so-viel-Sex-Leben) unnötig schwer machen.
  • Und dann...? -  Dann werfen Sie möglichst viele davon weit über Bord!!

Tipp Nr. 2: Lust & Liebe um 8:05 Uhr!

Sex morgens um 8 Uhr möglich?

Das Leben war doch irgendwie mal ganz anders! Vielleicht können Sie sich noch vage daran erinnern, dass es eine Zeit gab, in der Sie - spontan! - um 20:00 entschieden haben, miteinander essen zu gehen. Und danach - spontan! - beschlossen haben, noch einen Cocktail trinken zu gehen. Und dabei - spontan! - gemerkt haben, dass Sie Lust aufeinander bekommen. Und deshalb - spontan! - eng umschlungen nach Hause spaziert sind und sich gegenseitig noch vor der Haustür knutschend die ersten Knöpfe aufgenestelt haben, bevor Sie einander nach allen Regeln der Kunst erotisch verwöhnt haben – manchmal bis weit nach Mitternacht...

Schön, wenn sich in Ihrer Erinnerungsschatzkiste solche oder ähnliche Erlebnisse finden. Aber die Art von Abenden, die sich spontan in romantische Abende und daraus dann in aufregende Abende verwandeln... wenn man kleine Kinder hat? Pustekuchen. Mit der Spontaneität (zumindest, was die eigenen Pläne anbelangt) ist es erst einmal für eine Weile vorbei.

Wer seine(n) Liebste(n) mal wieder länger als 3 Sekunden ungestört in den Arm nehmen möchte, braucht daher meist neue und ungewohnte Zeitfenster. Mit ein bisschen Flexibilität und Experimentierfreude lässt sich dann aber die eine oder andere anregende Begegnung in den turbulenten Familienalltag integrieren. Und selbst, wenn es nur alle paar Wochen ist: Sich mental und emotional an solchen kleinen Liebes-Zeitfenstern entlang zu hangeln, kann ziemlich gut tun... 

In diesem Sinne:

  • Sich noch ein paar Minuten zum zweiten Kaffee in der Küche inklusive Knutschen verabreden, nachdem die Kinder in die KiTa oder zum Schulbus gebracht worden sind? Warum eigentlich nicht...
  • Oder gleich doch noch einmal zurück ins warme Bett und eine Runde kuscheln - und ausnahmsweise mal eine halbe Stunde später mit der Arbeit loslegen... Noch nie gemacht? Dann wird es höchste Zeit!

Tipp Nr. 3: Clever planen und genießen! Erotische Dates.

Mit erotischen Dates bewusst Sex als Eltern planen

In kinderlosen Zeiten braucht es das nicht: Ein festes Zeitfenster für intime Begegnungen mit dem oder der Liebsten. Denn ‚es‘ hat sich einfach ergeben. Irgendwann. Irgendwie. Irgendwo. (-> siehe Tipp Nr. 2) 

Mit jüngeren Kindern findet sich so gut wie nie „einfach so“ Zeit und Raum für ungestörte Zweisamkeit. Deshalb ist es eine super Sache, sich zusammen mit seinem Herzensmenschen „Möglichkeitsfenster“ zu schaffen – in denen (theoretisch) alles passieren kann, aber nichts passieren muss… 

Investieren Sie in die Suche nach dem „richtigen“ Babysitter, damit so etwas überhaupt in den Bereich des Möglichen rückt. Das lohnt sich auf alle Fälle. Trauen Sie ihren babygesitteten Kinder – und sich selbst! - zu, dass das gut klappen wird. Denn solche kurzen Tapetenwechsel und ungestörten Zeiten als Paar sind unschätzbar, um sich nicht im Alltag zu verlieren.

In diesem Sinne:

  • Reservieren Sie ihn sich endlich einmal wieder: den Tisch bei Ihrem Lieblingsitaliener. Und freuen Sie sich, während Sie händchenhaltend dorthin spazieren, auf das leckere Essen zu zweit - bei dem Sie einander (ohne 27 Unterbrechungen) mal wieder in Ruhe erzählen können, was Sie gerade beschäftigt.
  • Nach dem Abendessen gehen Sie dann so rechtzeitig nach Hause, dass Ihnen nicht schon 15 Meter vor Ihrer Haustür die Augen zufallen.
  • Dann verabschieden Sie den Babysitter genauso freundlich wie zügig. Und helfen einander beim Ausziehen (nicht nur des Mantels...), am besten gleich noch im Flur, bevor Sie mit der schönen Stimmung von gerade eben miteinander aufs Sofa sinken - während die Brut zufrieden im Bett liegt und schläft (also noch bevor sie das erste Mal in dieser Nacht ins Kinderzimmer gerufen werden... ;-))

Tipp Nr. 4: Appetit machen! - Kleine Flirts im Familienchaos...

Kleine Flirts im Familienchaos!

Ja, die Zeit frischgebackener Eltern wird knapper und die Häufigkeit sexueller Begegnungen nimmt deutlich ab. Und doch: Kleine sinnliche Anspielungen im Familien-Tohuwabohu könnten wieder drin sein und dabei helfen, einander als Liebespaar nicht aus den Augen zu verlieren. Feuern Sie doch zwischendurch ein paar erotische Blitze ab! Kurzes Liebesgeflüster und kleine Anspielungen können Ihre Verbindung zueinander auch im Familiengewusel aufrecht erhalten. Die Erinnerung an einen erotischen Moment oder eine sinnliche Phantasie kann man dem Partner in wenigen Sekunden mitteilen – auch ohne, dass es die Brut mitbekommt. Als Textnachricht von der Küche ins Wohnzimmer, ins Ohr geflüstert beim Gemüse-Schnippeln, auf dem Weg ins Bad. Kleine Gesten, die nur Sie beide verstehen, oder eine geteilte Erinnerung an eine sexy Begegnung sorgen dafür, dass sich Eltern auch weiterhin als erotische Wesen wahrnehmen - auch wenn es oft an der Zeit und Ruhe für die ausgedehnte Umsetzung fehlt...

In diesem Sinne:

  • Die Mutter Ihrer Kinder schaut einfach nur hinreißend aus, wie sie den Kids – beide auf ihren Schoß gekuschelt – mit verstrubbelten Haaren vorliest? Machen Sie unauffällig ein Foto von der Szene und schicken Sie es ihr. Untertitel: „Hey Sweetheart, merke gerade: ICH will DICH mal wieder auf MEINEM Schoß sitzen haben.“ Du siehst so was von sexy aus mit Deinen Wuschellocken.“ Ob Sie an diesem Abend beim Kinder-zu-Bett-bringen wieder mit einpennen werden - oder...?
  • Mit warmen Gefühlen beobachten Sie, wie Ihr Liebster Ihren glucksenden Sonnenschein mit durchtrainierten Armen Richtung Decke wirbelt und wieder auffängt? Dann raunen Sie ihm doch im Vorbeigehen mal ein „Sexiest! Daddy! Alive!…“ zu. Und beobachten genüsslich, welchen Blick er Ihnen dafür schenkt…

Tipp Nr. 5: Perfekt unperfekt

Mehr Sex durch weniger Perfektionismus

Der Alltag mit kleinen Kindern ist gespickt mit ungeplanten Momenten und verläuft garantiert... - unperfekt! Dazu gehört auch, dass mal ungewohnt lange nicht geduscht wird, die Beine unrasiert bleiben, die Klamotten Flecken haben oder der sonst penibel getrimmte 3 Tage-Bart zauselig wird. Vor diesem Hintergrund macht es soooooo viel Sinn, sich generell von perfektionistischen Ansprüchen zu verabschieden und sich darauf einzustellen, dass auch Sex ab jetzt ein bisschen holpriger, chaotischer, unperfekter - und ja: vielleicht auch mal schnell und unspektakulär - sein darf. Der Fokus sollte auf guten Gefühlen liegen, nicht auf einer erotischen Choreographie mit grandioser Beleuchtung, der passenden Hintergrundmusik, sinnlicher Unterwäsche und einem frisch gewaxten Body.

Bliebe ein perfektes Äußeres und ein durchgeplantes Drumherum auch bei jungen Eltern die Voraussetzung für Erotik, würde es vermutlich bei den meisten Paaren zu gar nichts mehr kommen. Und worum geht es eigentlich beim Sex? - Genau! Um Spaß. Sich selbst spüren. Dem anderen nahe kommen. Gute Gefühle haben. So was alles... Und das darf auch gerne mal chaotisch und improvisiert sein.

In diesem Sinne:

  • Wenn das inzwischen eigentlich mittagsschlaffreie Kind nach dem langen Wochenendkauf doch mal wieder in unerwartet tiefen Schlummer fällt...? Dann kann ein spontanes Nümmerchen zwischen Spielsachen, Schmutzwäsche und Einkaufstüten eine feine Sache sein.
  • Beim Waschmaschine befüllen, Einkäufe auf- und einräumen usw. kann Ihnen ja eine halbe Stunde später Ihr Sprössling „helfen“...

Tipp Nr. 6: Die Kunst geschlossener Türen

Privatsphäre für Elten durch geschlossene Türen

Ja - auch Eltern dürfen klare „Staff only!“-Zeiten einführen, in denen die Privat- bzw. Intimsphäre ein viertel Stündchen lang Vorrang hat vor dem Kakao-machen und Buch-vorlesen. Wenn die Kinder im Kindergartenalter sind, können sie lernen, dass es Momente gibt, in denen Erwachsene ungestört sein wollen (Genau! Auf der Toilette zum Beispiel... ;-)) - aber eben ab und zu auch zu zweit im Wohn- oder Schlafzimmer, um miteinander kuscheln zu können.

Das verhindert peinliche Situationen und gibt Ihnen die Möglichkeit, sich als Paar auch wirklich aufeinander einlassen zu können. Kinder ab dem Kindergartenalter sind nämlich durchaus empfänglich für die Etablierung neuer Rituale und Regeln – vorausgesetzt, sie leuchten ihnen ein und sie gelten für alleDabei ist jedoch zu beachten, dass sie u.U. seeeeeehr oft wiederholt werden müssen, bis sie allen kleinen (und oft auch großen!) Mitbewohnern in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Falls Ihr Kind selbst schon einmal in seinem eigenen Zimmer ein Kunststück oder eine Überraschung vorbereitet hat, kann es vermutlich nachvollziehen, dass es einen guten Grund geben kann (und zudem höflich ist), an einer geschlossenen Tür erst einmal anzuklopfen und - Achtung! - eine Antwort abzuwarten, bevor man sie öffnet: Offensichtlich möchte sich jemand kurz darauf vorbereiten können, dass ein anderer herein kommt. Haben die Kids verstanden, dass es auch Zeiten gibt, in denen die eigenen Eltern ungestört sein möchten und nicht wollen, dass jemand ohne Vorwarnung ins Zimmer rumpelt, wird es nicht zum Horrorszenario vieler Eltern kommen: Kind platzt ins elterliche Schlafgemach, während der wilde Vaddi und die enthemmte Muddi nackig zugange sind – und erfährt den Schock seines jungen Lebens.

In diesem Sinne:

  • Bei gut eingespielten „Staff only!“-Zeiten haben Sie entweder die Gelegenheit, mit lieblicher Säuselstimme zu rufen: „Geht gerade nicht, mein Schatz – aber in ein paar Minuten komme ich zu Dir“ oder sich zumindest ratzfatz die Bettdecke überzuwerfen, bevor das Schätzelchen Ihr Schlafzimmer entert…
  • Lassen Sie doch am besten Ihr(e) Kind(er) selbst ein paar Türklinken-Schilder aus Pappe basteln - sowohl fürs Kinderzimmer als auch für alle anderen wichtigen Räume (Elternschlafzimmer, Wohnzimmer, Bad), z.B. mit einem lieblichen grünen „Herein!“ -Gesichtchen auf der Vorderseite und einer „Stopp!“-Monsterfratze in Signal-Rot auf der Rückseite.
  • Und die Schilder werden dann immer entsprechend in Position gebracht, wenn mal ein paar Minuten Privatsphäre angesagt ist (die müssen dann aber auch umgekehrt von den Erwachsenen respektiert werden, wenn die Kids im Kinderzimmer eine CD zu Ende hören möchten...).

Tipp Nr. 7: Drei Folgen ‚Feuerwehrmann Sam‘ am Sonntag Vormittag? - Oh yeah!

Lenken Sie Ihre Kinder ab

Sollten Ihre Kinder zu Hause (und wach…) sein und Sie dennoch Lust auf Sex haben (ja – so was soll tatsächlich dann und wann vorkommen), steigen die Chancen auf ein ungestörtes Schäferstündchen, wenn die lieben Kleinen in den nächsten 45 Minuten ebenfalls etwas machen dürfen, was ihnen so richtig, richtig taugt: Eine neue Yakari-CD anhören und währenddessen an einem Bügelperlenbild herum fitzeln? Sich drei Folgen ‚Lauras Stern‘ ohne Unterbrechung am Notebook reinziehen mit einem gemischten Snackteller auf dem Schoß? (Apropos: Es lohnt sich, sich in regelmäßigen Abständen in der Gemeindebibliothek (da gibt es ja meistens auch CDs und DVDs!) mit neuer Ware einzudecken... (Und nein: Dadurch werden die Kinder nicht für den Rest ihres Lebens medienversaut!)

In diesem Sinne:

  • Schließen Sie mit Ihren Kindern einen Deal: „Ihr dürft jetzt in Ruhe xyz – und Mama und ich möchten ein bisschen Zeit für uns haben. Entweder klopfen wir bei Euch an der Tür, wenn der große Zeiger ganz oben ist – oder Ihr klopft bei uns an die Tür, wenn Eure CD aus ist. Aber erst dann. Einverstanden?“
  • Play-Knopf drücken. Kurz warten, bis die Kinder in die Story eingetaucht sind – und dann: Ab in die Federn! Und zwar: AM! HELLICHTEN! TAG!
  • Wichtig: Sagen Sie den Kids, dass es Teil der Absprache ist, sich erst wieder zu melden oder ins Zimmer zu kommen, wenn die CD oder der Film zu Ende ist. Ausnahme natürlich: Ein Kind hat sich wehgetan. Für besondere Schlawiner sollte man vielleicht noch dazu sagen: Aber nur, wenn es wirklich richtig krass doll extrem wehtut. 

Wir würden uns freuen, wenn Ihr Liebesleben mit dem einen oder anderen unserer „familienkompatiblen Sex-Tipps für frischgebackene (und halbfrisch gebackene...) Eltern“ ein paar neue Impulse bekommt. Aber: Aaaaaaalles stressfrei angehen und in Ruhe schauen, was, wann, wo, wie zu Ihnen beiden passt – und was nicht. Oder noch nicht. Oder nicht mehr. Oder... schaumermal. - Miteinander ins Gespräch kommen, ist die halbe Miete. 

Haben Sie selbst noch einen bewährten Trick für zurück-ergaunerte Zweisamkeit? Dann gerne her damit!! 🙂 Lassen Sie uns teilhaben und schreiben Sie uns unter [email protected].

Wir freuen uns auf weitere, von Ihnen bereits erprobte Tipps & Empfehlungen.

Herzliche Grüße von
Judith Gastner & dem PaarBalance Team

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Über die Autorin / den Autor

Dr. Judith Gastner ist Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin, Pädagogin und Paartherapeutin. Die Mitbegründerin und wissenschaftliche Leiterin von PaarBalance, der bekanntesten interaktiven Paartherapie online im deutschsprachigen Raum, unterstützt seit über 20 Jahren Menschen in den Bereichen Beziehungsanbahnung, Partnerschaftsgestaltung, Sexualität, Krisenbewältigung & Trennungsverarbeitung.