Verliebt trotz Beziehung - Was Sie jetzt unbedingt tun und lassen sollten

Auf einmal ist Ihre Gefühlswelt auf den Kopf gestellt. Sie wissen nicht mehr, was Sie empfinden oder denken sollen. Schmetterlinge im Bauch UND ein Kloß im Hals - was für eine komische Mischung!

Aufgeregtheit und Schuldgefühle wechseln sich ab.

Auf der einen Seite: Ihre langjährige Beziehung - Ihr Partner (Ihre Partnerin), mit dem (der) Sie schon so viel erlebt und geteilt haben und der (die) Ihnen so vertraut ist. Und auf der anderen Seite: ER / SIE.

Die dritte Person, die vom Zufall? vom Schicksal? in Ihr Leben katapultiert wurde, lange verschüttete (oder noch nie gekannte) Saiten in Ihnen zum Klingen bringt - und Sie plötzlich alles, was ist und was war, hinterfragen lässt.

 

Warum verliebt man sich trotz Beziehung?

Im Verlauf von Jahren und Jahrzehnten des Zusammenlebens muss einkalkuliert werden, dass es nicht nur Phasen gibt, in denen man sich seinem Partner (seiner Partnerin) sehr nahe fühlt, sondern auch solche, in denen – aus ganz unterschiedlichen Gründen – mehr Distanz aufkommt. Viele Menschen geraten im Laufe einer langjährigen Beziehung an einen Punkt großer Verunsicherung - und stellen sich die Frage: „Soll ich weiterhin an meiner Partnerschaft festhalten - oder gibt es eine Alternative, die mich (noch) glücklicher machen könnte?“

Durch unsere heutige Lebenserwartung kann eine Beziehung ein halbes Jahrhundert oder länger andauern. Während einer derart langen Zeitspanne bleibt es selten aus, dass irgendwann die eine oder andere Attraktion außerhalb der Beziehung verspürt wird - sei es durch …

 

  • eine wieder aufgetauchte Jugendliebe, die frühere Verliebtheitsgefühle weckt.
  • die Begegnung mit einem faszinierenden Menschen, der in uns einen lange vergessenen oder bisher in dieser Form noch nie erlebten Gefühlscocktail aus Aufregung, Verliebtheit und Verlangen auslöst.
  • einen guten Freund (eine gute Freundin) oder auch den besten Freund (die beste Freundin), der (die) einem eine Art von Aufmerksamkeit und Wohlwollen schenkt, die man so in seiner Beziehung nicht mehr erlebt.

 

Kommt es zu einer solchen Anziehung in einer Zeit, in der man sich seinem langjährigen Partner (seiner langjährigen Partnerin) ohnehin nicht besonders nahe fühlt, ist das verständlicherweise mit umso größerem innerem Aufruhr und starker Verunsicherung verbunden.

In solchen oder ähnlichen Konstellationen kann es dann schnell passieren, dass man sich heftig in jemand anderen verliebt und sich nahezu ungebremst in den Sog des Neuen, Aufregenden hinein strudeln lässt - selbst wenn die feste Beziehung oder Ehe als insgesamt stabil und ‚gut‘ erlebt wird.
Plötzlich wird alle paar Minuten verstohlen aufs Handy gelinst - voller Sehnsucht nach einer Nachricht des Objekts der Begierde. Sehnen und Aufregung bringen einen fast um den Verstand.

 

Die romantische Phantasie vom Neustart

Wahrscheinlich sind Sie gerade extrem aufgewühlt und haben verwirrende Tagträume davon, wie es wohl wäre, Ihre in die Jahre gekommene Beziehung hinter sich zu lassen und Ihr Leben noch einmal ganz neu auszurichten - an der Seite dieses unglaublich aufregenden Menschen, in dessen Nähe womöglich alles viel schöner und spannender wäre.

Doch auch wenn diese Phantasie verlockend sein mag:

Ein solcher Neustart will sehr gut überlegt sein. Denn derjenige, der sich aus einer Beziehung heraus auf eine neue Liebe einlassen möchte, startet mit einer großen Hypothek: Er muss zunächst eine schmerzliche Trennung abwickeln.

 

Unterschätzte Bindung = Böses Erwachen

Zwischen Menschen, die schon lange zusammen sind, wächst das, was wir ‚Bindung‘ nennen. Wir Menschen sind nämlich nicht nur soziale Wesen, sondern insbesondere auch Bindungswesen. Bindung gehört sozusagen zum „seelisch Eingemachten“ und lässt sich nicht so ohne weiteres abstreifen. Der Partner wird ein Teil der eigenen Lebensgeschichte, des eigenen Selbst - und zwar auch dann, wenn die Beziehung nicht durchgehend als leidenschaftlich und liebevoll erlebt wurde.

Die vitale Bedeutung von Bindung wird in der Psychologie damit erklärt, dass es sich um eine evolutionäre Errungenschaft handelt, die einerseits das sichere Aufwachsen der Nachkommen sowie später wieder den Zusammenhalt eines Paares gewährleisten soll, um die Aufzucht der nächsten Generation zu begünstigen. Durch diese existentielle Bedeutung wird verständlich, warum die damit verbundenen Gefühle so mächtig sind.

Liebe erzeugt Bindung und Bindung erhält die Liebe. Je länger eine Beziehung besteht, desto stärker werden die Kräfte der Verbundenheit. Häufig wird allerdings die Meinung vertreten, dass es im Lauf der Jahre zwangsläufig eine Entwicklung von leidenschaftlicher zu kameradschaftlicher Liebe gibt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass das nicht automatisch zutrifft. Bei einer lebenslangen Beziehung muss man von einem phasenhaften Verlauf ausgehen. Je nach persönlicher Entwicklung der einzelnen Partner und der Pflege der gemeinsamen Beziehung wird es Phasen von größerer und geringerer Leidenschaft und Innigkeit geben. Ein Schwinden der romantischen Liebe ist nicht unvermeidbar. Auch falls sie zwischenzeitlich einmal abgenommen haben sollte - es hängt von der weiteren Beziehungsgestaltung ab, ob sich wieder mehr Nähe und Liebesgefühle einstellen werden.

Soweit so gut. Aber warum verlieben wir uns denn dann trotz Beziehung?
Wir Menschen sind einerseits „Gewohnheitstiere“ - und schätzen Verlässlichkeit, Vertrautheit, Vorhersehbarkeit - und sind andererseits immer wieder auf der Suche nach neuen, starken, aufregenden Eindrücken und Gefühlszuständen.

Die konstanten, bekannten Emotionen verblassen dabei oft in unserer Wahrnehmung und werden zu einer Art Hintergrundrauschen. Neues, Ungewohntes und Unvorhersehbares fesselt unsere Aufmerksamkeit.
Dies kann dann dazu führen, dass wir in einer Phase fehlender Innigkeit die gewachsene Bindung zu unserem langjährigen Partner massiv unterschätzen und die Qualität (und die Zukunftstauglichkeit) einer neuen Attraktion überschätzen.

Kommt es schließlich zu einer Trennung, gibt es oft ein böses Erwachen.
Das alte Klischee von “Ich wusste es erst zu schätzen, als ich es verloren hatte” wird bittere Realität.

 

Soll ich meinem Partner erzählen, dass ich in jemand anderen verliebt bin?

Die Antwort lautet fast immer: Nein!
In aller Regel ist es besser, erst einmal selbst Ordnung in die eigene Gefühlswelt zu bringen.

Wenn Sie Ihren Partner unüberlegt mit Ihrem eigenen unsortierten Gefühls-Tohuwabohu konfrontieren, verbauen Sie sich womöglich die Chance auf eine gemeinsame Zukunft.

Machen Sie sich bewusst: Die Nachricht Ihrer akuten Verliebtheit wird Ihren Partner mit größter Wahrscheinlichkeit zutiefst verunsichern und kränken. Womöglich wird er Ihnen - zumindest über einen längeren Zeitraum - nicht mehr die gleiche vertrauensvolle Liebe und Zuneigung wie bisher entgegenbringen. Die Atmosphäre zwischen Ihnen beiden könnte ab dann erst einmal von Misstrauen geprägt sein - und Sie werden es dadurch nicht leichter haben, in Ruhe für sich zu prüfen, wo Sie innerlich stehen und wie es weitergehen soll.

Nehmen Sie sich also - allen Beteiligten zuliebe - erst die Zeit, um in Eigenregie so viel Klarheit wie möglich über Ihre eigenen Emotionen zu gewinnen, bevor Sie eine weitreichende - und möglicherweise nicht mehr umkehrbare - Entscheidung treffen.

 

Trennung oder nicht? Fragen, die Sie sich jetzt unbedingt stellen sollten

Bevor Sie sich auf eine Affäre oder Zweitbeziehung einlassen (bzw. weiter daran festhalten) oder sogar die Trennung von Ihrem Partner (Ihrer Partnerin) erwägen & einen ernsthaften Beziehungsversuch mit dem (oder der) Anderen in Betracht ziehen, sollten Sie sich die folgenden Fragen beantworten:

 

1. Wäre ich wirklich bereit, meine Beziehung und mein bisheriges Leben hinter mir zu lassen?

2. Habe ich (bzw. haben wir) bereits alles versucht, um unserer Beziehung wieder mehr Lebendigkeit einzuhauchen?

3. Bin ich überzeugt davon, dass sich aus der aktuellen Verliebtheit eine tragfähige Liebesbeziehung entwickeln kann?

4. Könnte ich mit den Konsequenzen leben, falls ich meine(n) feste(n) Partner(in) verlieren sollte - mein jetziger Schwarm und ich dennoch kein Paar werden und unser aktuelles Verhältnis womöglich Schaden nehmen könnte?

5. Kümmere ich mich - auch jenseits unserer Beziehung - genug darum, dass es mir gut geht und mein Leben erfüllt ist?

 

Nur, wenn Sie alle Fragen mit einem (zumindest relativ) klaren „Ja“ beantwortet haben, macht es zum jetzigen Zeitpunkt Sinn, konkreter über eine Trennung von Ihrem Partner (Ihrer Partnerin) und einen Beziehungsversuch mit der ‚dritten Person‘ nachzudenken.

Ansonsten sollten Sie sich möglichst viel Raum dafür nehmen, sich innerlich zu sortieren. Es besteht keine akute Notsituation, die Sie zwingen würde, eine überstürzte Weichenstellung vorzunehmen.

 

Werden Sie aktiv!

Um langfristig mit der eigenen Biographie stimmig zu bleiben, ist es wichtig, sich selbst - unabhängig davon, was die Zukunft letztlich bringen wird - später sagen zu können:

 

  • Ich habe unsere gewachsene Beziehung nicht leichtfertig in die Tonne getreten.
  • Ich habe unserer Beziehung eine echte Chance gegeben, als ich am Zweifeln war.
  • Ich habe von meiner Seite aus alles dafür getan, um wieder mehr Nähe herzustellen.

 

Viele Studien zeigen, dass sich die Atmosphäre und das Wir-Gefühl in einer Beziehung binnen Wochen zum Positiven verändern lassen. Werden Sie aktiv! Geben Sie sich und Ihrem Partner (Ihrer Partnerin) zunächst noch einmal eine faire Chance und überprüfen Sie in Ruhe Ihre Gefühle zur ‚dritten Person‘ sowie Ihre Bereitschaft, Ihr Leben noch einmal komplett auf den Kopf zu stellen - mit allen Konsequenzen.

Eine solche Phase des Sich-Besinnens und Zeit-Gebens ist in jedem Fall wichtig: Falls es letzten Endes zur Trennung von Ihrem Partner (Ihrer Partnerin) und zum Neustart mit dem Menschen, in den Sie sich (neu oder wieder) verliebt haben, kommen sollte, starten Sie nämlich mit einer sehr viel größeren Chance, dass diese neue Beziehung auch gelingen wird.

 

Betrachten Sie die Anfänge Ihrer gewachsenen Partnerschaft!

In einer Phase großer Verunsicherung ist es umso wichtiger, innezuhalten und seine bisherige Beziehungsgeschichte mit einem möglichst ruhigen Blick zu betrachten:

 

  • Wie waren wir, als wir uns kennen gelernt und ineinander verliebt haben?
  • Wie sind wir miteinander umgegangen?
  • Was war das Besondere an uns? Was hat uns ausgemacht?

Und dann: Wie ging es weiter?

  • Sind wir im Laufe unserer Beziehung weiterhin so respektvoll und aufmerksam miteinander umgegangen wie am Anfang?
  • Haben wir uns in letzter Zeit noch fest in den Arm genommen? Länger als flüchtig geküsst? Einander liebevoll begrüßt und verabschiedet?
  • Haben wir uns gegenseitig unterstützt (in welchen Bereichen fiel es uns leichter, in welchen schwerer)?
  • Haben wir uns dafür interessiert, wie es dem anderen geht? Haben wir uns gesehen und gehört gefühlt?

Was sehen Sie, wenn Sie den Scheinwerfer auf die positiven Aspekte Ihrer Partnerschaft lenken?

  • Was waren (und sind) unsere Stärken als Paar?
  • Was haben wir gut miteinander hinbekommen? Worauf können wir stolz sein? Warum haben wir das geschafft?
  • Welche schönen gemeinsamen Erlebnisse hatten wir? An was erinnere ich mich gerne?
  • Was habe ich bisher an meinem Partner (meiner Partnerin) gemocht und geschätzt?

Welche Bilder tauchen in Ihnen auf, wenn Sie an eine gemeinsame Zukunft mit Ihrem jetzigen Schwarm denken?

  • Was wird vermutlich bleiben, wenn die erste Verliebtheit nachgelassen hat?
  • Werde ich später noch an ihm (ihr) mögen, was ich jetzt besonders faszinierend finde?
  • Hätten wir das Zeug dazu, langfristig ein starkes Team zu werden?
  • Inwiefern könnte ich mich in sein (ihr) Leben einfügen?
  • Inwiefern könnte er (sie) sich in mein bisheriges Leben ‚einfügen‘ (Freundeskreis, Familie, Kinder, Job, Interessen)?

 

Test: Wie ist es wirklich um Ihre Beziehung bestellt?

Um Ihnen bei der Entscheidungsfindung zu helfen, können Sie (kostenlos) den >wissenschaftlich entwickelten PaarBalance Beziehungstest< bei uns machen.

Entziehen Sie sich für einen Moment dem aktuellen Gefühlschaos und beleuchten Sie Ihre bisherige Partnerschaft bzw. Ehe aus der Vogelperspektive:

  • Wie erlebe ich momentan meine Beziehung?
  • Wie gestalte ich derzeit meine Partnerschaft?

Der Test ist gebührenfrei. Er dauert etwa 10 Minuten.

Direkt im Anschluss erhalten Sie (gratis) ein ausführliches Feedback über die verschiedenen Bereiche Ihrer Partnerschaft. Anhand von Ampelfarben werden Sie schnell erkennen, wo Gefahren lauern und in welchen Aspekten Sie als Paar womöglich deutlich stärker sind als gedacht.

Mithilfe dieses persönlichen Beziehungsprofils können Sie die momentane Lage vermutlich deutlich sachlicher bewerten und mit höherer Wahrscheinlichkeit eine fundierte Entscheidung darüber treffen, was nun die nächsten Schritte sein sollten.

>> Hier geht's zum kostenlosen Beziehungstest <<

Wir wünschen Ihnen von Herzen, dass Sie eine für sich passende Entscheidung treffen können, mit der Sie langfristig zufrieden und stimmig sein werden.

Alles Gute für Sie und herzliche Grüße!

Ihre Dr. Judith Gastner & Ihr Prof. Dr. Ludwig Schindler

 

 

 


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