Lügen in der Beziehung: Wie damit umgehen?

Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
Lesedauer: Minuten
Juliane Schrick
Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
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Wie geht man am besten mit Lügen in der Beziehung um?

Welcher Wert ist Ihnen in Ihrer Beziehung am wichtigsten? Die meisten Menschen antworten: Ehrlichkeit. Im täglichen Leben und im Beziehungsalltag ist jedoch kaum jemand tatsächlich immer ehrlich.

Schon nach kurzer Zeit schleichen sich meist die ersten kleinen (oder auch größeren) Notlügen ein. Schadet das der Partnerschaft? Und wie gehe ich damit um, wenn ich den Partner beim Lügen erwische?

Diesen Fragen möchten wir in diesem Artikel nachgehen.

So zerstören Lügen die Beziehung (nicht)

So zerstören Lügen das Vertrauen in der Beziehung (nicht)

Einer der wichtigsten Grundpfeiler einer Liebesbeziehung ist Vertrauen. Lügen untergraben diesen Pfeiler. Dafür reichen oft schon kleine Unwahrheiten, denn sie nähren den Verdacht, es könne mehr dahinterstecken: „Wenn mein Partner mich in diesen Fall belügt, wobei lügt er dann noch?“ Hat einer wiederholt den Eindruck, der andere erzähle Unwahrheiten, kann das die Vertrauensbasis der Partnerschaft gefährden und Distanz zwischen den Partnern schaffen. Der Belogene fühlt sich betrogen und vermisst den Respekt in der Beziehung. Verunsicherung und Wut sind häufige Folgen.

Andererseits zeigt eine bekannte psychologische Studie, dass niemand immer ehrlich ist. Jeder Mensch - Männer wie Frauen - lügt im durchschnittlich sogar mehrmals täglich. Besonders beliebt: Die so genannte „Notlüge“, die oft genutzt wird, um die Gefühle des Gegenübers zu schonen. Das aufwändig gekochte Abendessen trifft nicht so ganz den eigenen Geschmack? Dann ist es häufig besser, trotzdem nette Worte zu finden, als die ungeschönte Wahrheit ehrlich auszusprechen – denn das vermeidet unnötige Streitigkeiten und Verletzungen.

So eingesetzt sind kleine Lügen nicht schädlich für soziale Beziehungen, sondern können sogar beziehungsstiftend wirken. Doch was heißt das denn nun für Partnerschaften? Ist Unehrlichkeit ein Beziehungskiller oder Beziehungshelfer? Das kommt vor allem auf das Thema und das Ziel an.

Als Daumenregel kann gelten: Geht es um wichtige Themen, die den Partner und/oder die Partnerschaft direkt betreffen (etwa geteilte Finanzen oder Untreue) und wird die Lüge bewusst genutzt, um sich selbst einen Vorteil gegenüber dem Beziehungspartner zu verschaffen, hat sie das Potenzial, die Paarbeziehung zu gefährden. Auch, wenn wir eigene Eigenheiten, Charakterzüge oder Vorlieben falsch darstellen, entfremden wir uns damit voneinander.

Wird die Wahrheit jedoch etwas gedehnt oder geschönt, damit der andere sich besser fühlt, ist das nicht per se schädlich. Das bedeutet allerdings nicht, das ständig gelogen werden sollte, um den Beziehungsfrieden zu wahren. Werden mit Unwahrheiten Konfliktthemen überdeckt, um Streitigkeiten zu vermeiden, ist das kein Gewinn für die Partnerschaft. Es verhindert lediglich, dass Probleme gelöst werden. So schwelen sie weiter und nagen an der Liebe. Diese Damenregel kann allerdings nur einen ersten Anhaltspunkt bieten.

Was als angebracht in einer Beziehung erlebt wird, ist individuell. Besprechen Sie deshalb mit Ihrem Partner, wie ihre Bedürfnisse in Bezug auf Ehrlichkeit aussehen, und legen Sie eine „Marschrichtung“ für Ihre Beziehung fest: Erwarten Sie uneingeschränkte Ehrlichkeit – auf die Gefahr hin, dass dadurch Gefühle verletzt werden – oder sind alltägliche Notlügen in Ordnung? Fragen Sie sich dazu: Können Sie beide mit „brutaler Ehrlichkeit“ und den daraus entstehenden Verletzungen umgehen, ohne sie dem anderen vorzuwerfen? Definieren Sie außerdem, wo das Lügen für Sie persönlich beginnt: Ist es etwa eine Lüge, wenn eine Information ausgelassen wird, oder nur dann, wenn bewusst Fakten verfälscht werden?

Mein Partner lügt mich an – was nun?

Was kann ich tun, wenn mein Partner mich anlügt?

Haben Sie trotz geteilter Definitionen und gemeinsamer Vereinbarungen den Verdacht oder das Bauchgefühl, Ihr Partner oder Ihre Partnerin würde Sie täuschen, sollten Sie das Gespräch suchen.

Beschreiben Sie so vorwurfsfrei wie möglich, was Sie aktuell erleben und welche Gefühle das in Ihnen auslöst. Geben Sie Ihrem Partner die Möglichkeit, sich zu erklären. Es ist durchaus möglich, dass andere Gründe hinter einem veränderten Verhalten stecken – vor allem, wenn Sie eher vage Anzeichen wahrgenommen haben.

Hat Ihr Partner keine Erklärung und es stellt sich heraus, dass er tatsächlich absichtlich gelogen hat, ist es wichtig, die Gründe zu hinterfragen: Im besten Fall möchte er Sie mit der Lüge schützen. Hier ist „gut gemeint“ jedoch nicht immer „gut gemacht“. Wenn Sie sich damit unwohl fühlen, formulieren Sie Ihren Wunsch nach mehr Ehrlichkeit und finden Sie einen gemeinsamen Mittelweg.

Dient die Lüge nicht Ihrem Schutz, sollten Sie weiter nach den Hintergründen forschen. Sollte tatsächlich das Worst-Case-Szenario eintreten, dass Sie im offenen Gespräch (oder im Laufe der Zeit) schwerwiegende Hintergründe wie eine Affäre oder verheimlichte Schulden aufdecken, ist es kaum möglich, diesen Vertrauensverlust allein zu kitten. Eine Paarberatung oder Paartherapie kann Sie dabei unterstützen, für sich herauszufinden, ob Sie der Beziehung noch eine Chance geben können und wollen, und Sie auf dem gewählten Weg begleiten.

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Über die Autorin / den Autor

Juliane Schrick ist Psychologin (M.Sc.) und absolviert aktuell die Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin. Sie hat Erfahrung in der stationären und ambulanten Unterstützung von Menschen und Paaren in Krisensituationen und ist in der psychologischen Online-Beratung tätig. Seit mehreren Jahren forscht sie mit Leidenschaft im Bereich der Paar- und Beziehungspsychologie.