Liebeskummer: Die 4 Phasen und Erste Hilfe gegen Liebeskummer

Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
Lesedauer: Minuten
Juliane Schrick
Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
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Liebeskummer: Warum so schlimm und was hilft

Wenn eine Beziehung endet, verändert sich das gesamte Leben. Das betrifft ganz praktische Dinge: Zusammen gekaufte Möbel werden aufgeteilt, Umzüge geplant und unter Umständen Sorgerechtsfragen für gemeinsame Kinder organisiert.

Gleichzeitig bringt eine Trennung auch die Gefühlswelt durcheinander. Plötzlich färbt intensiver Liebeskummer die ganze Welt schwarz. Wer ihn erlebt, stellt sich wahrscheinlich in erster Linie zwei Fragen:

  • Warum fühlt sich der Herzschmerz so schrecklich an?

  • Und wie lässt sich Liebeskummer überwinden?

Liebeskummer ist wie ein kalter Entzug

Wie sich Liebeskummer anfühlt

Liebeskummer fühlt sich für jeden Menschen anders an – eines gilt jedoch für alle gleichermaßen: Es ist schmerzhaft, wenn eine Liebe endet.

Viele Betroffene beschreiben die Sehnsucht nach dem Partner, als habe man eine „Liebesdroge“ genommen, die man jetzt nie wieder bekommen würde. Das ist gar nicht so weit hergeholt: Im Körper passiert bei Liebeskummer tatsächlich etwas Ähnliches wie bei einem kalten Drogenentzug. Denn wer liebt, schüttet das Glückshormon Dopamin aus. An die regelmäßige „Dosis“ dieses Hormons gewöhnt das Gehirn sich – fällt sie plötzlich weg, zeigt es eine Reaktion: Typische körperliche Begleiterscheinungen von Liebeskummer sind starkes Stresserleben, steigender Blutdruck, erhöhter Puls und in manchen Fällen sogar Kurzatmigkeit – Symptome, die denen eines Drogenentzugs ähnlich sind.

Psychologische Forscher, die Liebeskummer detailliert untersucht haben, haben herausgefunden, dass die meisten Menschen ihn in 4 Phasen durchleben.

  1. In der ersten Phase wollen wir nicht wahrhaben, dass wir den geliebten Menschen verloren haben. Oft versuchen wir, ihn „zurückzugewinnen“ und nehmen immer wieder Kontakt zu ihm auf. Ist das nicht erfolgreich, beginnt...

  2. Phase 2: Die Trauer. Die meisten Betroffenen weinen in dieser Phase viel, der Appetit lässt nach und man hat kaum noch Lust, etwas zu unternehmen, Freunde zu treffen oder überhaupt das Haus zu verlassen. Häufig kommt Wut auf die noch geliebte Person hinzu: Wie konnte sie mir das antun? Wie lange diese Phase andauert, ist individuell unterschiedlich. Neben der Länge und der Intensität der Beziehung wird ihre Dauer auch von der eigenen Persönlichkeit beeinflusst. Lässt die Trauer schließlich nach, schließt sich...

  3. Phase 3 an, in der viel über die Partnerschaft, ihre guten und schlechten Seiten und die eigene Rolle darin nachgedacht wird. So verarbeiten wir die Beziehung und ihr Ende. Meist entwickeln die Betroffenen nun allmählich wieder Freude an Hobbys und Sozialkontakten. Gelingt es so, die Trennung zu ordnen, kann in...

  4. Phase 4 eine Akzeptanz und schließlich eine Neuorientierung erfolgen.

Bevor wir diesen Punkt erreichen, müssen wir jedoch zuerst die schmerzhaften ersten Phasen überstehen. Mit einigen Tipps lässt sich der Trennungsschmerz lindern.

Erste Hilfe gegen Liebeskummer

Erste Hilfe Tipps gegen Liebeskummer

Wer schon einmal Liebeskummer hatte, weiß: Ein Versuch, die intensiven Gefühle zu unterdrücken, geht meist nicht gut aus. Häufig spürt man den Schmerz dadurch nicht weniger stark, sondern sogar umso heftiger.

Lassen Sie den Liebeskummer und all Ihre Gefühle zu. Sie trauern um eine verlorene Beziehung, also auch um Ziele, Pläne und Träume. Das darf (eine Zeit lang) wehtun.

Nach einer Trennung fühlen viele Menschen sich erst einmal einsam. Sprechen Sie mit Ihrer Familie oder engen Freunden darüber, wie es Ihnen geht, um das Gefühl zu lindern. Auch, wenn Ihnen gerade nach Rückzug zumute ist – indem Sie Zeit mit verständnisvollen Menschen verbringen, die Sie auffangen und unterstützen, werden Sie sich letztlich besser fühlen.

Tun Sie außerdem selbst etwas für sich, das Ihnen nun guttut: Nehmen Sie ein altes Hobby wieder auf oder beginnen Sie ein neues, das Sie schon lange interessiert. Lernen Sie eine Fremdsprache oder treiben Sie Sport. Eine angenehme Beschäftigung bringt Sie auf andere Gedanken und stärkt gleichzeitig das Selbstwertgefühl, das während einer Trennung bei den meisten Menschen leidet.

Versuchen Sie schließlich, Abstand zu der beendeten Beziehung zu gewinnen. Dabei kann es hilfreich sein, Bilder und alte Liebesbriefe erst einmal außer Sichtweite zu räumen und vorerst nicht zur Hand zu nehmen. Nehmen Sie in der ersten Zeit möglichst keinen Kontakt zu Ihrem Ex-Partner oder Ihrer Ex-Partnerin auf, denn das reißt die schmerzhaften Wunden der Trennung immer wieder auf und verhindert eine Heilung.

Seien Sie in dieser schwierigen Phase gut zu sich selbst und setzen Sie sich nicht unter Druck: Ob Liebeskummer schnell vergeht oder lange dauert, ist bei jedem Menschen anders und wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Geben Sie sich daher so viel Zeit, wie Sie brauchen, um den Liebeskummer zu überwinden. Das gibt Ihnen die Chance, gestärkt daraus hervorzugehen und dabei sich selbst und die eigenen Wünsche und Bedürfnisse besser kennenzulernen. Seien Sie sicher: Die Zeit heilt alle Wunden – der Schmerz wird immer weiter nachlassen, bis er schließlich ganz verschwindet und nur die Erinnerungen an die frühere Beziehung bleiben.

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Über die Autorin / den Autor

Juliane Schrick ist Psychologin (M.Sc.) und absolviert aktuell die Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin. Sie hat Erfahrung in der stationären und ambulanten Unterstützung von Menschen und Paaren in Krisensituationen und ist in der psychologischen Online-Beratung tätig. Seit mehreren Jahren forscht sie mit Leidenschaft im Bereich der Paar- und Beziehungspsychologie.