Liebe auf den ersten Blick

Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
Lesedauer: Minuten
Juliane Schrick
Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
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Liebe auf den ersten Blick: Gibt es sie wirklich und ist sie nachhaltig?

Viele Hollywood-Romanzen haben ein gemeinsames Thema: Die Liebe auf den ersten Blick.

  • Doch gibt es sie wirklich oder wird in diesen Filmen nur eine Illusion gezeigt?

  • Kann man sich im ersten gemeinsamen Moment tatsächlich in einen Menschen verlieben?

  • Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Beziehung, die mit der Liebe auf den ersten Blick beginnt, in der Realität ein Leben lang hält?

Der Rausch des ersten Augenblicks

Liebe auf den ersten Blick: Der Rausch des ersten Augenblicks

Psychologische Studien zeigen: Auf den ersten Blick – genauer gesagt innerhalb von etwa 100 Millisekunden – bilden wir uns einen ersten Eindruck von einem Menschen. Und in diesen Sekundenbruchteilen nehmen wir auch schon eine Einschätzung vor, ob wir ihn oder sie anziehend finden.

Ist das der Fall, reagiert unser Körper sofort: Er schüttet einen Hormoncocktail aus, der neben dem „Kuschelhormon“ Oxytocin unter anderem auch die Glückshormone Serotonin und Dopamin enthält. Dieser Hormonmix löst körperliche und emotionale Reaktionen aus, die wir als die sprichwörtlichen „Schmetterlinge im Bauch“ erleben. Das Gefühl kann so überwältigend, gar berauschend sein, dass es logische Gedanken erst einmal verdrängt. Und genau diese Kombination ist es, die manche Menschen als die berühmte „Liebe auf den ersten Blick“ beschreiben.

Die initiale Einschätzung, die den Hormonrausch anstößt, basiert allerdings ausschließlich auf dem, was auf den ersten Blick ersichtlich ist – also vor allem auf der äußeren Erscheinung. Die wenigen Informationen, die für diese Schnellschuss-Bewertung genutzt werden, reichen allerdings bei weitem nicht aus, um einen Menschen mit all seinen Facetten und seine Passung zur eigenen Person richtig einzuschätzen.

Wir erleben bei der "Liebe auf den ersten Blick" also erst einmal lediglich Anziehung, die von „wahrer Liebe“ noch weit entfernt ist. Zur wahren Liebe gehören schließlich auch Faktoren wie Vertrauen, Intimität, Sicherheit und Geborgenheit – Qualitäten, die sich erst während der gemeinsamen Zeit entwickeln können.

Liebe braucht mehr als Anziehungskraft

Wie nachhaltig ist die Liebe auf den ersten Blick?

Bedeutet all das nun, dass Beziehungen, die wie im Film mit einem „Liebe auf den ersten Blick“-Gefühl beginnen, zum Scheitern verurteilt sind? - Nein, denn die erlebte Anziehung kann ein Ausgangspunkt dafür sein, mit einem bis dato Fremden in Kontakt zu treten und ihn kennenzulernen.

Dabei kann sich herausstellen, dass man tatsächlich gut zusammenpasst - und aus der anfänglichen Attraktion kann sich über Wochen und Monate echte Liebe entwickeln. Damit das gelingen kann, müssen sich allerdings beide ausreichend Zeit nehmen, um sich richtig kennenzulernen, den Charakter, die Werte, Ziele und Lebenspläne des anderen zu erforschen und zu prüfen, ob dies alles zu einem selbst passt.

Wer sich von dem überwältigenden ersten Gefühl täuschen lässt und daraufhin vorschnell weitreichende Entscheidungen trifft, wird das auf lange Sicht jedoch meist bereuen. Psychologische Experten und Forscher kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass Ehen, die aus dem ersten Impuls der "Liebe auf den ersten Blick" heraus geschlossen werden - ohne dass die Frischverliebten zuvor eine innige Verbindung aufgebaut haben - häufiger wieder geschieden werden. Ein Grund dafür liegt auf der Hand: Die körperliche Anziehung, die den Kern der heftigen, ersten Verliebtheit bildet, nimmt ganz natürlich mit der Zeit ab. Andere Qualitäten wie Kompromisse und (zeitliche und emotionale) Investitionen beider Partner werden wichtiger. Dieser Übergang erschreckt und überfordert Paare in der „Liebe auf den Ersten Blick“-Phase oft, da sie sich noch nicht genau genug kennen. Erst mit der Zeit kommen alle Charaktereigenschaften und Werte des Partners ans Licht - und womöglich werden dabei unüberbrückbare Unterschiede zwischen beiden deutlich, die von der ersten Attraktion noch überdeckt wurden.

Warum glauben trotzdem so viele Menschen an die Idealvorstellung, dass die märchenhaftesten Beziehungen mit der Liebe auf den ersten Blick beginnen? Das lässt sich durch ein psychologisches Phänomen erklären, das in wissenschaftlichen Untersuchungen mit einer großen Anzahl Teilnehmer entdeckt wurde: Viele Paare interpretieren ihre erste Begegnung im Nachhinein um. In der Rückschau glauben die Teilnehmer, sich an „Liebe auf den ersten Blick“ erinnern zu können – obwohl sie so etwas in dem Moment tatsächlich noch gar nicht gefühlt haben. Denn wir neigen dazu, die Vergangenheit durch die „Brille“ der Gegenwart zu sehen und passend dazu in unseren Erinnerungen umzuschreiben.

Wer also überzeugt ist, in der ersten Sekunde gewusst zu haben, dass der andere der oder die Eine ist, sitzt womöglich einer süßen Erinnerungstäuschung auf. Das „Liebe auf den ersten Blick“-Gefühl ist kein Ausschlusskriterium, aber ganz sicher auch kein Garant für eine stabile Langzeitbeziehung – denn lebenslange Liebe braucht mehr als Schmetterlinge im Bauch. Egal, ob Sie sofort für Ihren Liebsten geschwärmt haben oder sich die Liebe erst langsam entwickelt hat – entscheidend ist, dass Sie beide dauerhaft Zeit und Aufmerksamkeit in Ihre Partnerschaft investieren und sie so zu einer Priorität in Ihrem Leben machen.

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Über die Autorin / den Autor

Juliane Schrick ist Psychologin (M.Sc.) und absolviert aktuell die Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin. Sie hat Erfahrung in der stationären und ambulanten Unterstützung von Menschen und Paaren in Krisensituationen und ist in der psychologischen Online-Beratung tätig. Seit mehreren Jahren forscht sie mit Leidenschaft im Bereich der Paar- und Beziehungspsychologie.