Intime Kommunikation in der Beziehung: Wie sie (wieder) gelingt

Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
Lesedauer: Minuten
Juliane Schrick
Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
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Intime Kommunikation in der Beziehung

Je vertrauter sich zwei Menschen sind, desto leichter fällt ihnen ein aufrichtiger, empathischer Austausch über die eigenen Gedanken, Wünsche und Gefühle – so zumindest das Idealbild.

Oft ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall: Viele Langzeitpaare sprechen nur noch selten über persönliche, bedeutsame Themen. Stattdessen stehen häufig die Organisation des Wocheneinkaufs, der Kinderbetreuung und die Schul-Bücher, die dringend noch in den Warenkorb gelegt werden müssen, im Zentrum beinahe jeder Interaktion. Warum ist das so? Und wie wirkt sich das auf die Beziehung aus?

Warum fällt vielen Paaren intime Kommunikation so schwer?

Warum eine intime Kommunikation in der Beziehung manchmal so schwerfällt

Wenn zwei Menschen sich lange kennen und womöglich seit vielen Jahren zusammenleben, entsteht oft eine gewisse Erwartungshaltung bei den Partnern: „Der andere wird schon wissen, was ich denke“.

Wir erwarten von unserem Langzeitpartner also, dass er unsere Gedanken lesen kann und wir sie nicht mehr aussprechen müssen - und entsprechend tun wir das auch nicht mehr. Dabei gibt es allerdings ein Problem: Niemand kann Gedanken lesen. Nicht einmal der geliebte Partner - egal wie lange oder gut man sich kennt.

Wenn die eigenen Gefühle und Bedürfnisse unausgesprochen bleiben, entstehen schnell Missverständnisse und die echten Sehnsüchte bleiben unerfüllt. Neben dieser unrealistischen Erwartungshaltung kann Verlustangst ebenfalls die intime Kommunikation hemmen. Wenn wir jemanden lieben, möchten wir auf keinen Fall etwas tun, wodurch wir ihn verlieren könnten. Teilen wir intime Gedanken – besonders, wenn sie Veränderungswünsche oder Konfliktthemen betreffen – birgt das aber immer das Risiko, dass der Partner eine andere Meinung hat, eine negative Bewertung vornimmt oder sich sogar angegriffen fühlt. Es könnte also ein Streit entstehen. Gleichzeitig macht sich verletzlich, wer sein Innerstes offenbart, und bietet „Angriffsfläche“. Daher haben viele Menschen den Instinkt, das zu vermeiden. Das gilt besonders, wenn jemand in der Vergangenheit bereits schlechte Erfahrungen gemacht hat und verletzt wurde.

Intime Kommunikation zu vermeiden hat jedoch zur Folge, dass Konfliktthemen nicht angesprochen werden und weiter schwelen. Sie können nicht gelöst werden. Dadurch werden die Partner sich mit der Zeit zunehmend fremd. Nicht selten entsteht so eine explosive Mischung aus Enttäuschung, Frust und Entfremdung, die langfristig zu Trennungsgedanken führt - und schließlich gehen die Partner getrennte Wege.

So gelingen persönliche Gespräche mit dem Partner

Tipps für eine intime Kommunikation in der Beziehung

Viele Paare, die schon seit langer Zeit keine intimen Gespräche mehr geführt haben, sind regelrecht „aus der Übung“.

Mit einigen Strategien kann ein offener Austausch über persönliche Gedanken und Gefühle aber schon bald wieder ein selbstverständlicher Teil Ihres Beziehungsalltags werden.

  • Schaffen Sie sich zunächst eine ruhige, entspannte Ausgangssituation – denn wer sich öffnet und den Partner „in die eigene Seele blicken lässt“, möchte das sicher nicht zwischen Tür und Angel tun.

  • Schalten Sie dazu das Handy aus und lassen Sie sich nicht ablenken.

  • Am besten funktioniert das, wenn Sie gemeinsam im Vorhinein einen passenden Zeitpunkt auswählen. Ein Gespräch mit dem Liebsten vorauszuplanen, klingt zunächst womöglich merkwürdig und wenig romantisch, doch eine gute Vorbereitung erhöht die Chance, dass Ihr intimer Austausch tatsächlich stattfindet.

  • In diesem Gespräch dürfen (und sollen) Sie alles ansprechen, was Sie in Ihrem Innersten beschäftigt. Dazu zählen sowohl Anliegen, die direkt die Partnerschaft betreffen, als auch für Sie persönlich wichtige Themen außerhalb der Beziehung: Ihre Gedanken, Emotionen, Sorgen, Wünsche, Lob, Wertschätzung, Erwartungen an den partnerschaftlichen (safer) Sex, das bewegende Buch, das Sie gelesen, oder das berührende Bild, das Sie gesehen haben….

  • Formulieren Sie Ihre Perspektive und die begleitenden Gefühle am besten in Form von „Ich-Botschaften“ und vermeiden Sie Vorwürfe und harsche Kritik an Ihrem Partner. Wer (wieder) beginnt, sich zu öffnen, lädt auch den anderen dazu ein, dasselbe zu tun. Meist entsteht so mit der Zeit ein Kreislauf der Annäherung und gegenseitigen Offenheit, der die Verbundenheit und die Vertrautheit stärkt.

  • Hören auch Sie Ihrem Partner aufmerksam zu, wenn er an der Reihe ist, sich Ihnen anzuvertrauen. Nehmen Sie stets respektvoll und wertschätzend auf, was er berichtet, fühlen Sie mit und seien Sie bemüht, seine Perspektive einzunehmen.

  • Bieten Sie (vor allem emotionale) Unterstützung an, wenn Ihr Partner über Probleme, Hindernisse oder Stressfaktoren spricht.

  • Freuen Sie sich mit ihm, wenn er von Erfolgen oder schönen Erlebnissen erzählt.

  • Kommen bei dem intimen Gedankenaustausch Konfliktthemen oder unerfüllte Bedürfnisse innerhalb der Beziehung zur Sprache, gehen Sie aufeinander zu und finden Sie gemeinsam Kompromisse, die für beide Seiten fair sind.

Wer sich regelmäßig Zeit und Ruhe für tiefe, emotionale Gespräche mit dem Partner nimmt, kann sie zur Gewohnheit werden lassen. Dadurch wird es Ihnen beiden auch im Alltag leichter fallen, sich zu öffnen und Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle miteinander zu teilen. Das stärkt Ihre emotionale Bindung und Ihre Intimität und schafft einen Zustand, in dem Ihre Liebe wieder aufblühen kann.

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Über die Autorin / den Autor

Juliane Schrick ist Psychologin (M.Sc.) und absolviert aktuell die Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin. Sie hat Erfahrung in der stationären und ambulanten Unterstützung von Menschen und Paaren in Krisensituationen und ist in der psychologischen Online-Beratung tätig. Seit mehreren Jahren forscht sie mit Leidenschaft im Bereich der Paar- und Beziehungspsychologie.