Honeymoon Phase in der Beziehung

Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
Lesedauer: Minuten
Juliane Schrick
Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
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Honeymoon Phase in der Beziehung

Wenn eine Beziehung beginnt, ist das Leben rosig: Der neue Partner ist der schönste, liebevollste, klügste und wunderbarste Mensch der ganzen Welt. Er kann praktisch nichts falsch machen. Am liebsten würden wir jede Sekunde mit ihm verbringen und ihm ständig nah sein. Wir genießen Küssen, Kuscheln und Sex in vollen Zügen und können unsere Gedanken kaum von der anderen Person lösen.

Diese Zeit wird „Honeymoon Phase“ genannt. Die meisten, die diese süße Phase erleben, wünschen sich, sie würde niemals enden. Doch ist das überhaupt möglich – und erstrebenswert?

Wie kommt die Honeymoon Phase zustande?

Wenn wir frisch verliebt sind: Die Honeymoon Phase

Wenn wir frisch verliebt sind, produziert unser Körper einen Hormoncocktail, in dem unter anderem das Glückshormon Dopamin und das „Kuschelhormon“ Serotonin enthalten sind. Diese Mischung löst das überwältigend gute Gefühl des "Liebes-Rauschs" aus, das wir in dieser Zeit erleben.

Für die Aufregung und das Bauchkribbeln des frischen Verliebtseins ist Cortisol verantwortlich, das ebenfalls im Hormonmix enthalten ist. Cortisol wird sonst vorwiegend in Stresssituationen ausgeschüttet und sorgt für Symptome wie einen höheren Blutdruck, eine beschleunigte Atmung und einen schnelleren Herzschlag.

Ja, sie haben richtig gelesen: Der Frisch-Verliebt-Hormoncocktail enthält (neben anderen Botenstoffen) auch Stresshormone. Durch die bunte Mischung unterschiedlicher Botenstoffe versetzt er den Körper in einen Ausnahmezustand, der durchaus stressig für den Organismus ist.

Einige Folgen bemerken wir bereits während der Honeymoon Phase: Der Überschuss verschiedener Hormone führt zu einer Konzentrationsschwäche, sodass wir kaum an etwas anderes denken können als den Liebsten. Viele Menschen haben außerdem kaum Appetit, essen nur unregelmäßig und erleben Schlaflosigkeit.

Würde unser Körper auf Dauer in diesem Ausnahmezustand bleiben, wären wir langfristig nicht fähig, ein geordnetes Leben zu führen, in dem wir Alltagsanforderungen und (beruflichen) Aufgaben bewältigen können. Daher fährt der Körper die Ausschüttung des Hormoncocktails mit der Zeit automatisch zurück, um sich vor negativen Langzeitfolgen zu schützen.

Es ist also sinnvoll und völlig natürlich, dass die Honeymoon Phase abklingt. Obwohl die meisten Verliebten das erst einmal schade finden, ist es ein wichtiger Schritt für die Paarbeziehung: Es eröffnet der Partnerschaft die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Erst, wenn der anfängliche Ausnahmezustand beendet ist, können entscheidende Qualitäten wie Vertrauen und Verlässlichkeit wachsen, die für eine gelingende Langzeitbeziehung unerlässlich sind. Denn nur, wenn die rosarote Brille abgenommen wird und die Beziehung sich im “echten Alltag” bewährt, lernen die Partner sich authentisch kennenlernen und können auf dieser Basis eine tiefe Bindung aufbauen.

Wie lange dauert der hormonelle und emotionale Ausnahmezustand an?

Wie lange hält die Honeymoon Phase an?

Wir haben nun gesehen: Die Honeymoon Phase ist kein Dauerzustand. Wie lange sie anhält, kann jedoch sehr unterschiedlich sein, denn Beziehungen sind individuell - und so auch die Honeymoon Phase. Großangelegte Studien zeigen, dass sie in der Regel etwa ein Jahr anhält, wenige Paare erleben sie 2 oder sogar 3 Jahre lang. Das sind allerdings nur Durchschnittswerte - während sie bei den einen also womöglich 4 Jahre andauert, kann sie bei anderen nach 6 Monaten bereits vorbei sein. Und bei einigen Paaren stellt sich gar keine Honeymoon Phase ein. Das ist häufig der Fall, wenn eine Beziehung über eine längere Zeit aus einer vertrauten Freundschaft erwächst.

Das ist jedoch kein Grund zur Sorge: Die Länge der Honeymoon Phase sagt nichts über die langfristige Stabilität oder Zufriedenheit mit einer Beziehung aus, denn dafür ist eine vertraute Basis und ein intimes Verständnis der Partner deutlich wichtiger als tanzende Hormone. Lassen Sie sich also nicht beunruhigen, wenn sich kein “Frisch-verliebt-Taumel” eingestellt hat oder die aufregenden Gefühle der ersten Wochen inzwischen verflogen sind.

Fokussieren Sie sich stattdessen darauf, zentrale Beziehungsqualitäten wie Vertrautheit und Kommunikation zu stärken. Sie wünschen sich das gute Gefühl der Anfangszeit trotzdem zurück? Das ist nur allzu verständlich. Einige Funken der Honeymoon Phase lassen sich glücklicherweise auch in späteren Beziehungsphasen zünden.

Gehen Sie mit Ihrem Liebsten dazu mal wieder auf ein romantisches Date oder besuchen Sie Orte, die Ihnen zum Beginn Ihrer Partnerschaft wichtig waren. Wo haben Sie sich kennengelernt? Wo hatten Sie das erste, zweite, dritte Date? Und wann waren Sie zuletzt an diesen Plätzen? Kehren Sie gemeinsam dorthin zurück und erinnern sich zusammen an die schönsten Meilensteine Ihrer Partnerschaft. So verleihen Sie den Schmetterlingen in Ihrem Bauch wieder Flügel.

Sie dürfen dieses Gefühl nun noch mehr genießen als am Anfang Ihrer Beziehung, denn inzwischen wissen Sie, dass Ihre Liebe tatsächlich „alltagstauglich“ ist. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass Sie mit dem Menschen an Ihrer Seite Herausforderungen meistern und Ihre Lebensziele erreichen können. Ihre Partnerschaft hat die oberflächliche Honeymoon Phase längst verlassen und sich zu etwas viel Wertvollerem entwickelt: Einer tiefen Verbundenheit zwischen zwei Partnern.

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Über die Autorin / den Autor

Juliane Schrick ist Psychologin (M.Sc.) und absolviert aktuell die Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin. Sie hat Erfahrung in der stationären und ambulanten Unterstützung von Menschen und Paaren in Krisensituationen und ist in der psychologischen Online-Beratung tätig. Seit mehreren Jahren forscht sie mit Leidenschaft im Bereich der Paar- und Beziehungspsychologie.