Ehrlichkeit in der Beziehung

Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
Lesedauer: Minuten
Juliane Schrick
Psychologin (M.Sc.) und Gastautorin bei PaarBalance
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Ehrlichkeit in der Beziehung gut oder manchmal auch schlecht?

„Wir wollen immer ehrlich miteinander sein“ – diese Idealvorstellung haben wahrscheinlich die meisten Paare, wenn sie sich verlieben und ihre Beziehung beginnen. Ehrlichkeit gilt schließlich als Tugend.

Doch bei den meisten Paaren schleichen sich schon bald die ersten kleinen ‚Notlügen‘ ein und bei manchen entsteht das Bedürfnis, das ein oder andere für sich zu behalten oder nicht immer ganz die Wahrheit zu sagen.

Ist das schlecht für die Liebe? Brauchen Beziehungen jederzeit unbedingte Ehrlichkeit und Offenheit, um langfristig stabil und glücklich zu sein - oder sind Lügen in manchen Fällen sogar hilfreich?

Deshalb ist Ehrlichkeit wichtig

Deshalb ist Ehrlichkeit in der Beziehung so wichtig

Um in einer Partnerschaft echte (emotionale) Nähe aufzubauen, müssen beide Partner sich dem anderen öffnen.

Nur wer alltägliche Erlebnisse und Gedanken ebenso wie intime Geheimnisse und Gefühle mit dem Liebsten teilt, kann wirklich gesehen und verstanden werden. Das geht nicht ohne Ehrlichkeit. Sie schafft Vertrauen und Sicherheit und ist somit die Basis für eine glückliche Langzeitbeziehung. In einer Partnerschaft sehnen wir uns zudem nach Verlässlichkeit. Wenn ich mich darauf verlassen kann, dass mein Liebster mich nicht belügt, muss ich mich nicht darum sorgen, wo er gerade tatsächlich ist, oder seine wahren Gefühle und Absichten anzweifeln.

Kommt es in der Partnerschaft zu einem Vertrauensbruch, etwa durch einen Seitensprung, werden diese Grundpfeiler der Beziehung in Frage gestellt. In einer solchen Situation ist Ehrlichkeit besonders wichtig, denn sie ist die einzige Möglichkeit, verlorengegangenes Vertrauen wieder aufzubauen. Eine Garantie, dass nach einem so massiven Einschnitt wie einem Seitensprung „alles wieder gut wird“, gibt allerdings auch Ehrlichkeit nicht.

Kann man in einer Beziehung zu ehrlich sein?

Wer seinem Partner oder seiner Partnerin nicht immer alles erzählen möchte, hat oft ein schlechtes Gewissen. Das ist jedoch unnötig: Einige Gedanken, Fantasien oder Gefühlsregungen für sich zu behalten, ist natürlich und gesund. Auch in einer Beziehung bleiben wir schließlich eigenständige Menschen und müssen nicht alles, was uns durch den Kopf geht, ungefiltert mit dem Partner teilen.

In manchen Situationen kann es der Partnerschaft sogar zugutekommen, wenn ein Einfall nicht ausgesprochen wird. So muss der Partner beispielsweise vielleicht nicht jedes Mal erfahren, wenn wir auf der Straße einen fremden Menschen attraktiv finden, denn diese eigentlich harmlose Information könnte ihn verunsichern und möglicherweise sogar seinem Selbstwert schaden. Solche Gedanken für uns zu behalten, schont den Partner und vermeidet unnötige Streitigkeiten.

Nach einem Seitensprung ist die Frage nach dem „richtigen Maß an Ehrlichkeit“ besonders schwer zu beantworten: Einerseits ist Ehrlichkeit unumgänglich, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und so die Grundlage der Beziehung zu reparieren – andererseits würde es den Partner tief (und eventuell unheilbar) verletzen, jedes letzte Detail über die Vorzüge des Affären-Partners und die sexuellen Treffen zu erfahren.

Um langfristig eine gesunde, zufriedenstellende Partnerschaft zu gestalten, ist also Balance entscheidend: Ständige Heimlichtuerei macht echte Nähe und gegenseitiges Vertrauen zunichte - und wer Beziehungsprobleme stets für sich behält, statt sie mit dem Partner zu besprechen, verhindert gemeinsame Lösungen und Verbesserungen. Dem Partner muss jedoch nicht jeder einzelne Gedanke offenbart werden, der dem anderen durch den Kopf geht. Fingerspitzengefühl und eine offene Kommunikation darüber, in welchen Bereichen den Partnern Ehrlichkeit wichtig ist - und wann man etwas lieber für sich behalten soll -, erleichtern es, das richtige Maß für die eigene Beziehung zu finden.

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Über die Autorin / den Autor

Juliane Schrick ist Psychologin (M.Sc.) und absolviert aktuell die Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin. Sie hat Erfahrung in der stationären und ambulanten Unterstützung von Menschen und Paaren in Krisensituationen und ist in der psychologischen Online-Beratung tätig. Seit mehreren Jahren forscht sie mit Leidenschaft im Bereich der Paar- und Beziehungspsychologie.